Stefan Nelz blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Der 63-Jährige arbeitete in Spitzenrestaurants, sammelte international Erfahrungen und betrieb eigene Lokale auf Mallorca und in der Pfalz. Seit zehn Jahren ist er nun Chefkoch in unserem Seniorenzentrum und führt unser zwölfköpfiges Küchenteam. Diesen Schritt wählte er bewusst – weg von der Sterneküche, hin zu mehr Zeit für die Familie und zu mehr Menschlichkeit.
Vom Fleischerlehrling zum Spitzenkoch
Deine Karriere begann in der gehobenen Gastronomie. Wie sah Dein Weg als Koch aus?
Ganz klassisch mit einer Fleischerlehre und anschließend einer Ausbildung zum Koch im Deidesheimer Hof. Danach führte mich mein Weg als Koch durch verschiedene Spitzenhäuser, unter anderem ins Tantris in München. Später wurde ich Küchenchef, habe meinen Meister gemacht und ein eigenes Restaurant auf Mallorca geführt. Anschließend betrieb ich 15 Jahre lang erfolgreich das Restaurant Ungeheuer in Forst an der Weinstraße – bis zur Geburt unserer Tochter. Das war eine intensive Zeit, sowohl fachlich als auch persönlich.
Warum hast Du der Sterneküche den Rücken gekehrt?
Weil irgendwann die Familie wichtiger wurde. In der gehobenen Gastronomie bleibt kaum Raum für Privatleben. Ich habe gemerkt, dass ich nicht will, dass meine Kinder alleine frühstücken, während ich bereits in der Küche arbeite. Also habe ich einen Schnitt gemacht. Das war keine leichte Entscheidung, aber für mich als Koch und Mensch die richtige.

Hier wird Wert auf gutes Essen gelegt
Und dann kam der DSK?
Ja, tatsächlich über eine Zeitungsanzeige. Bereits im Bewerbungsgespräch habe ich gespürt, dass Herzlichkeit eine große Rolle spielt und man einander zuhört. Das hatte ich in der gehobenen Gastronomie oft vermisst.
Was macht die Einrichtung für Dich als Koch besonders?
Die kurzen Wege und die Offenheit. Wenn es ein Problem gibt, wird klar und ehrlich darüber gesprochen. Vor allem aber wird hier Wert auf gutes Essen gelegt. Unsere Bewohner stehen im Mittelpunkt. Das ist für mich als Koch entscheidend und nicht selbstverständlich.
„Es geht nicht um Perfektion auf dem Teller, sondern darum, dass es den Menschen schmeckt.“
Stefan Nelz
Du kommst aus der Sterneküche. Wie unterscheidet sich Deine Arbeit heute zu der von früher?
Mein Anspruch ist auch hier hoch. Frische und Handwerk sind mir am wichtigsten. Vieles bereiten wir selbst zu, zum Beispiel unsere Leberknödel. Klar könnte man die auch fertig kaufen, aber ich bin Koch aus Überzeugung. Wenn ich es gelernt habe und es besser schmeckt, dann mache ich es selbst. Gleichzeitig muss alles alltagstauglich bleiben. Es geht nicht um Perfektion auf dem Teller, sondern darum, dass es den Menschen schmeckt.
Früher war ich deutlich strenger. Heute bin ich ruhiger. Die Klarheit ist aber geblieben. Wenn etwas nicht passt, spreche ich es an. Gleichzeitig setze ich auf Respekt. Eine Küche funktioniert nur im Team, das habe ich über die vielen Jahre als Koch gelernt.
Woran erinnerst Du Dich gerne?
Die Sommerfeste sind immer etwas Besonderes. Ein Kollege hat mal eine Travestie-Show gemacht, das war großartig. Die Bewohner haben so gelacht. Solche Momente bleiben.
Zehn Jahre DSK. Was bedeutet das für Dich?
Es ist einfach ein gutes Gefühl. Ich gehe jeden Morgen gerne zur Arbeit. Wenn das so ist, weiß man, dass man am richtigen Ort angekommen ist.



